Strongman Run 2009 - Es wurden wieder Helden gesucht

 

 

 

Wenn erwachsene Männer im Dreck wühlen, durch Matsch robben und in 6 Grad kaltes Wasser springen, dann ist Strongman-Zeit.

Ein Erlebnisbericht von Rainer Kauczor.

 

Im Jahr 2008 nahm ich zum ersten Mal am Strongman Run in Weeze teil. Fasziniert von diesem verrückten Lauf beschlossen mein Sohn Robin und mein frischgebackener Schwiegersohn Andre, sich in diesem Jahr gemeinsam mit mir der Herausforderung zu stellen. Die zwei trainierten unverdrossen mehrere Monate für diesen großen Tag, für Andre war es der erste offizielle Lauf, Robin ist im Rahmen des Trainings im Februar den Halbmarathon in Bertlich gelaufen.

Verg. Sonntag, am 29.3. war es soweit. Bei recht kühlen 8 Grad fuhren wir nach Weeze um dort gemeinsam mit 6000 anderen Teilnehmern die 18 km und 30 Hindernisse zu bewältigen.

Der Strongman hat seinen Namen in diesem Jahr mehr als verdient. Es war viel anspruchsvoller und härter als im letzten Jahr. Die vielen steilen Hindernisse und wackeligen Netze hatten es in sich und auch die Druckkammer machte ihrem Namen alle Ehre. Ich glaube ich war noch nie in meinem Leben so orientierungslos wie da drin. Aber es kam noch viel schlimmer. Zwei mal 4 Kilometer durch die Sandgrube, permanenter knöcheltiefer Schlamm und knietiefes Wasser. Die Schuhe wurden immer schwerer und vor lauter Schlamm immer dicker und breiter. Dann aber kam der absolute Hammer, der „Golf von Weeze“. Dass man diesen 2 mal ca. 40 m weit in 3 m tiefem und 6 Grad kaltem Wasser in Laufkleidung und Laufschuhen durchschwimmen musste, war unglaublich. Es war nur gut, dass der Veranstalter erlaubte, dass man auch am Rand in „nur" hüfthohem Wasser den See umrunden durfte. Dieses nutzten (zum Glück) ca. 90 Prozent der Teilnehmer. Wer weiß was sonst passiert wäre.  Mein Sohn Robin, der als sehr guter Schwimmer im DLRG Dienst tat, war froh, dass er am anderen Ende ankam und sagte, es hätte nicht weiter sein dürfen. Mir ging es genauso, ich war froh, als ich wieder Schlamm unter den Füßen hatte und aus dem Wasser krabbeln konnte. Einige Schwimmer haben hier ihre Kräfte überschätzt und die Taucher mussten zur Sicherheit eingreifen. Wie man sich fühlt wenn man nach dieser Tortur noch 11 km weiterlaufen, Hindernisse überwältigen, durch Schlamm robben und noch insgesamt 3 Mal baden gehen muss, bevor man sich Strongman nennen darf, kann nur der verstehen der dabei war. Man brauchte einige Laufkilometer um wieder aufzutauen und durfte dann zur Abkühlung wieder ins Wasser.

Diese extremen Bedingungen wurden aber leider auch von vielen Läufern unterschätzt. Es war nicht „nur“ ein 18 km Fun-Lauf, obwohl viele Läufer in ihren fantasievollen Verkleidungen den Anschein erweckten. Es war kein Lauf bei dem es reicht, sich mit etwas Lauftraining in der Woche vorzubereiten. Es war eine hammerharte Herausforderung, bei der eine wirklich gute körperliche Verfassung gefragt war. Viele Teilnehmer merkten erst auf der Strecke, auf was sie sich eingelassen hatten, als sie sich von Krämpfen geplagt und blau gefroren dem Ziel näherten, wenn sie es denn erreichten. Von 5925 Startern finishten nur 4624.

Wir drei ereichten  nach ca. 3 Stunden das Ziel. Wir waren „strong“ genug.

Ich freue mich auf nächsten Mal beim Strongman Run 2010. Robin und Andre müssen diese Erfahrung erst verdauen und Ihren Muskelkater auskurieren bevor Sie überlegen ob es im nächsten Jahr wieder gemeinsam an den Start geht.

 

Rainer Kauczor

 

Link zum Artikel auf der Website der Borkener Zeitung